Der Fall Luzifers
und andere klösterliche Singspiele.
Ein Streifzug durch die Theaterlandschaft des
barocken Oberschwaben

 

Leitung: Gregor Simon

Moderation: Dr. Michael Bißwanger

 

Sa 13.6.2026, 17 Uhr, Spiegelsaal des Klosters Obermarchtal, 89611 Obermarchtal

 

So 14.6.2026, 16 Uhr, Tübingen, Pfleghofsaal, Schulgasse 2, 72070 Tübingen

 

Musiktheater im Kloster

Die Interpreten

Bei der Klangwelt in den prächtigen Klöstern entlang der jungen Donau mag man zuerst an die reiche Liturgie der Hochämter und die heraus-ragenden Orgeln denken. Ein weiterer Musikort von Bedeu-tung gerät leicht in Vergessen-heit: So gut wie jeder Orden machte Theater – zum Lernen, zur geistlichen Erbauung, zur Vergnügung. Immer war auch Musik im Spiel.  Hinter den Büh-nenvorhängen kommt eine reiche Musikwelt zum Vor-schein, die Männer und Frauen, Schüler und Erwachsene, Men-schen aus hohen und niedrigen Gesellschaftskreisen einbezog. Die Stücke wurden für die zentralen Anlässe des Ordens-theater geschrieben, für das Schultheater zum Ende des Schuljahres und nicht zuletzt für wichtige Zeiten im Kirchenjahr, Weihnachten und die voröster-liche Passionszeit. Mit der Zisterzienserinnenabtei Guten-zell ist in diesem Streifzug sogar ein Frauenkloster vertreten, in dem Theater und Musik ein wichtiger Bestandteil des klösterlichen Lebens waren.

 

Der Musikwissenschaftler Michael Bißwanger promovierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim zum Thema „Klostertheater. Das Dialekt-Singspiel im süddeutschen Raum des 18. Jahrhunderts“. Im Mittelpunkt der Dissertation standen Sebastian Sailer und seine Dialektstücke. Auch Sai-lers Komödie Der Fall Luzifers, kurz nach 1738 entstanden, beschäftigte Bißwanger, der seit 2022 als Lehrbeauftragter für historische Musikwissenschaft in Mannheim unterrichtet. Seit September 2025 intensiviert er an der Universität Tübingen seine Forschung zum Ordens-theater als Leiter des DFG-Forschungsprojektes „Musik im Kontext von Spielen und szenischen Vorführungen in Klöstern und Ordensgemein-schaften im Zeitraum von 1650 – 1800 im südwestdeutschen Raum. Vergleich von Frauen- und Männerorden“.

Sopran: Leila Trenkmann

 

Tenor: Philipp Grab

 

Bass: Li Zhengyu

 

Instrumentalensemble: Streichquartett, Flöte, Harfe

 

Leitung: Gregor Simon

 

Moderation: Dr. Michael Bißwanger


 

 

Der Organist, Chorleiter und Komponist Gregor Simon ist Kustos der Holzhey-Orgel der Klosterkirche Obermarchtal und künstlerischer Leiter der Obermarchtaler Münsterkon-zerte. Als Konzertorganist war er an zahlreichen bedeutenden Orgeln in Österreich, Deutsch-land und der Schweiz zu Gast. Er leitet den Konzertchor Ober-schwaben und den Münsterchor Obermarchtal. Simon gewann mehrere Kompositionspreise. Sein Schaffen reicht von Orgelstücken bis hin zu Werken für Chor und Orchester. Seine Kantate Im Spiegel der Zeiten (2017), welche musikalisches Material des Biberacher Kompo-nisten Justin Heinrich Knecht verwendet, wurde 2023 im Rahmen der Musikschätze BW von Frieder Bernius aufgeführt. 2025 sangen die Dresdner Kapellknaben Simons bei ihrem Wettbewerb mit dem 1. Preis ausgezeichnete Jubelmesse in der Kathedrale in Dresden.


 

Eine neue Vertonung von Sailers Der Fall Luzifers

Von vielen geistlichen und weltlichen Singspielen aus den Klöstern ist nur der Text überliefert. In glücklichen Ausnahmen, oft durch aktuelle Forschung erst ans Licht befördert, finden sich aber auch die damaligen Vertonungen.

Im ersten Teil des Konzertes werden solche Stücke vorgestellt und zu Gehör gebracht. Es erklingt Theatermusik aus den Klöstern Gutenzell, Mehrerau, Ottobeuren, Obermarchtal, Zwiefalten sowie dem Jesuitenkolleg Konstanz. Darunter ist auch eine Arie von Franz Xaver Schnizer, der ab 1766 das Musikleben im Kloster Ottobeuren leitete (Bild oben: die Arie in Schnizers eigener Handschrift).

Im zweiten Teil erleben wir die Uraufführung eines von Gregor Simon im oberschwäbischen Barockstil komponierten wesent-lichen Teiles von Der Fall Luzifers des Obermarchtaler Paters Sebastian Sailer, der im 18. Jh. bekannt wurde durch seine Komödien im oberschwäbischen Dialekt. Luzifer plant einen Umsturz im Himmel („Gott muaß ich weara, und sottat mih fressa d’Läus und Bäara“). Vergeblich versucht ein Wachtengel, ihn davon abzuhalten. Erzengel Michael gelingt es schließlich in einer komödiantischen Szene, Luzifer festzusetzen.

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